Fotografie

Fotokunst

Presseartikel: Eppsteiner Zeitung

Begegnungen: Kopfstand, fliegende Hefte und Werkzeug kiloweise

Zwischen den Stellwänden mit 80 Portraits begegneten sich die Eppsteiner bei der Buchpremiere „Eppsteiner Begegnungen“.

Spannung lag in der Luft bei der Ausstellungseröffnung „Eppsteiner Begegnungen“

am vergangenen Freitag im Blauen Saal des Rathauses in Vockenhausen. 80 mit Eppstein verbundene Menschen waren geladen. Sie haben für ein Porträt im gleichnamigen Buch Modell gestanden, das anlässlich der 700-Jahr-Feier im kommenden Jahr erschienen ist.

Der Saal war proppenvoll. Fast alle waren zum Teil mit Familie und Freunden gekommen und bestaunten die Bilder, auf denen jeder umgeben von individuellen Utensilien auf kunstvolle Weise vor schwarzem Hintergrund in Szene gesetzt ist: Jugendbuchautorin Alexandra Bauer als Drachenbändigerin, die beiden Jungunternehmerinnen und Game-Artists Alina Gottbrecht und Juliet Homer, die beiden Püppchenmacherinnen Christina Schaaf und Helene Hoffmann inmitten ihrer kleinen Kunstwerke – ebenso an die Wände gepinnt und im Buch veröffentlicht wie die vielen anderen Ehrenamtlichen und Offiziellen der Stadt in oft ungewohnten Rollen.

Guido Ernst beispielsweise, den Eppsteinern bekannt als Bremthaler Ortsvorsteher, Vorsitzender der Kerbegesellschaft Amor und Liederkranz-Sänger, hantiert auf seinem Bild mit gezogenem Aluminiumrohr und Messschieber. „Ich hatte 40 Kilo Werkzeug dabei“, erinnerte sich der Feinwerkmechaniker-Meister an die Fotosession. Helmut Czepl, ehemaliger Ortsvorsteher in Alt-Eppstein agiert als Imker, der Burgvereins-Vorsitzende Peter Arnold erzählt von seinen Wanderungen in Nepal.

Das Konzept geht zurück auf ein Quartett mit Horst Winterer, Vorsitzender des Kulturkreises, den stellvertretenden Vorsitzenden und Sprecher der Fotogruppe Eppstein, Detlef Bömelburg, Yvonne Winterer, Kursleiterin zu Themen der Fotografie, sowie den Fotografen Ulrich Häfner, der die Bilder in seinem Studio aufnahm. Sie haben sich inspirieren lassen durch ein ähnliches Projekt in Bad Soden unter dem Titel „Bad Sodener Köpfe, Menschen, Bilder und Geschichten“. Die Vier fungierten als Jury bei der Auswahl der Bilder, fügten die von den Portraitierten selbst verfassten Texte und Kurzportraits hinzu.

Christine Baum, bei der Stadt verantwortlich für das Ressort Kultur, ist abgebildet inmitten von Requisiten der Burgschauspieler. Sie jongliert mit Heften, die Yvonne Winterer durch die Luft fliegen ließ. „Die Fototermine haben mir viel Spaß gemacht“, sagte Winterer, „Anja Roethele habe ich bei einem Kopfstand geholfen“. Unter den verschiedenen Varianten hat sich die Jury dann aber für ein anderes Bild der Goldschmiedin entschieden mit Lötgerät, Schutzbrille und wehendem Haar. Die Fotosessions nahmen vorweg, was das Buch insgesamt vermitteln soll: Begegnungen mit Menschen, die ihre Geschichte erzählen.

„In Eppstein leben so viele interessante Menschen“, sagte Horst Winterer bei seiner Ansprache. Dass sich die Auswahl auf 80 Porträts beschränkt, habe allein Platzgründe. Nach vier Kategorien seien die Bilder angeordnet: Tradition und Geschichte, Dienstleistungen und Firmen, Kunst und Kultur sowie Menschen mit einem besonderen Hobby, darunter auch Sport.

Bürgermeister Alexander Simon, im Buch abgelichtet in seiner Eigenschaft als oberster Dienstherr der Eppsteiner Feuerwehren mit Weste und Schutzhelm, erklärte, dass es die Bürgerinnen und Bürger sind, die einer Stadt ein Gesicht geben – aktuell 13 762. Das Werk erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern sei eine Momentaufnahme im Zeitpunkt des Entstehens. Es zeige, welche Menschen die Stadt auf besondere Weise geprägt haben. So finden sich Portraits der Chorleiter Thomas Ickstadt aus Niederjosbach und Ennikö Szendrey aus Ehlhalten, des Hammerwerfers Konstantin Steinfurth und des Försters Peter Lepke. Frauke Frerichs, langjährige Mitarbeiterin der Eppsteiner Zeitung, berichtet von ihren vielseitigen Interessen von Robotertechnik bis Spitzenklöppeln. Das Foto von Dr. Eberhard Doll hängt neben dem Portrait der beiden Mitarbeiterinnen der kleinen Postagentur in der Burgstraße – Dr. Eberhard Doll starb vor einigen Tagen und erlebte die Ausstellung nicht mehr. Renate Gruber und Julia Weich sind nur noch bis zur Schließung im kleinen Lebensmittelladen anzutreffen. Ein Wiedersehen gibt es im neuen Supermarkt an der Staufenstraße.

„Das Buch trägt dazu bei, dass man sich an Sie erinnern wird – in 50 Jahren und auch später zur 1000-Jahr-Feier“, sagte Simon zum schmunzelnden Publikum.

Simon dankte den Portraitierten, die sich mit ihrem Bild und ihrer Geschichte noch etwas weiter in die Öffentlichkeit gewagt haben und der Jury, die für das Buch allein 8000 Bilder gesichtet und begutachtet hat. Yvonne Winterer hat das Buch gestaltet. Grafikerin Dorothea Lindenberg stellte ihr dafür einen Arbeitsplatz in ihrem Atelier in Bremthal zur Verfügung. Die Journalistin Deike Wichmann hat die Texte redigiert.

Am Samstag und Sonntag wurde die Ausstellung von einer breiteren Öffentlichkeit besucht. Dort konnte der mit hochwertigem Papier erstellte Kunstdruck „Eppsteiner Begegnungen“ käuflich erworben werden. Ab sofort ist das Werk in der Eppsteiner Bücherstube in der Burgstraße 12 zum Preis von 29,80 Euro erhältlich.mi